Pressemitteilung 13 / 2003
Reform des deutschen Gesundheitssystems:
Wirtschaftsbeirat der Union fordert mehr Transparenz als Mittel zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen
München, 14. Oktober 2003 - "In der Debatte zur Reform des Gesundheitswesens wird bislang ein zentrales Problem zu wenig bearbeitet: die auf der Ausgabenseite stattfindende Verschwendung", so Gerhard Hess, Vorsitzender des Arbeitskreises Ärzte im Wirtschaftsbeirat der Union und Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes. Hess fordert: "Unser Gesundheitssystem braucht Transparenz über Kosten und Leistungen".
Den Befürwortern einer "Bürgerversicherung" wirft Hess vor, vollkommen am
Hauptproblem vorbei zu therapieren. Hess wörtlich: "Hier ist schon die Diagnose falsch: Die gesetzlichen Krankenkassen haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Daher kann die Lösung niemals in einer Ausweitung der Einnahmebasis liegen". Das Modell "Kopfpauschale" hat für Hess mehr Charme.
Einen einkommensunabhängigen Krankenversicherungsbeitrag hält er für genauso sozial wie die einkommensunabhängige Pkw-Haftpflichtversicherung. Hess: "Schon die Transparenz verlangt, dass die Unterstützung für Geringverdienende über die Sozialhilfe geschieht und nicht über die Krankenversicherung".
Jede nachhaltige Reform des Gesundheitswesens muss zuerst die Fehler im System beseitigen. Hauptursache für die Ausgabenexplosion sei die mangelnde Kostenverantwortung der Leistungsanbieter. Hess: "Ein System, in dem der Leistungserbringer keine Gegenkontrolle fürchten muss, lädt zum Missbrauch geradezu ein." Das derzeitige System der Abrechnung über die Kassenärztlichen Vereinigungen hält Hess für "an Absurdität nicht zu überbieten". Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus einem ganz anderen Lebensbereich, dem Bau: "Stellen Sie sich vor", so Hess, "es gäbe eine Bundesabrechnungsagentur für Baurechnungen, an die die Bauherren Beiträge entrichten und welche die von den
Bauunternehmen eingereichten Rechnungen anstandslos bezahlt. Ein El Dorado für die Bauwirtschaft, aber ein Fiasko für die Volkswirtschaft".
Hess: "Unser Gesundheitswesen braucht Transparenz über Kosten und Leistungen." Das erreicht man mit einem einfachen, sonst überall selbstverständlichen Mittel: einer Rechnung, die jeder Leistungserbringer - Arzt, Krankenhaus u.a. - erstellt und die der Patient erst nach Prüfung seiner Kasse weiterreichen darf.
Hess appelliert daher an die Politiker aller Parteien, keine Reform mit einem schnellen Verfalldatum umzusetzen, sondern die jetzt bestehende Chance für eine nachhaltige Reform des Gesundheitswesens zu nutzen. Erstes Gebot muss sein: Durch Transparenz unser Gesundheitssystem zu Höchstleistungen befähigen, zum Wohle der Patienten und der gesamten Volkswirtschaft. Ein hochwertiges Industrieland braucht ein hochwertiges Gesundheitssystem.
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